Schuldnerberatung bei einer anerkannten Stelle ist in Deutschland kostenlos. Das ist der wichtigste Satz zum Thema, weil parallel ein Markt kommerzieller Anbieter existiert, die für dieselbe Leistung Geld verlangen.
Wer kostenlos berät
Anerkannte Beratungsstellen werden öffentlich oder von Wohlfahrtsverbänden getragen:
- Caritas, Diakonie, AWO, Paritätischer, Rotes Kreuz
- Verbraucherzentralen der Länder
- Kommunale Beratungsstellen bei Städten und Kreisen
Diese Stellen sind nach Landesrecht anerkannt und dürfen den Bescheinigungsweg für das Verbraucherinsolvenzverfahren gehen. Das ist entscheidend: Ohne diese Bescheinigung über das gescheiterte außergerichtliche Einigungsversuch kommst du nicht ins Verfahren.
Was die Beratung leistet
Überblick. Alle Forderungen werden erfasst und auf Berechtigung geprüft. Ein erheblicher Teil der Forderungen von Inkassounternehmen ist überhöht oder teilweise unbegründet.
Existenzsicherung. Pfändungsschutzkonto einrichten, Energiesperren abwenden, Wohnung sichern. Das passiert zuerst.
Verhandlung. Ratenpläne oder Vergleiche mit Gläubigern.
Insolvenzverfahren. Wenn außergerichtlich nichts geht, Begleitung durch das Verfahren bis zur Restschuldbefreiung.
Wie du eine Stelle findest
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung führt ein bundesweites Verzeichnis anerkannter Stellen. Alternativ die Suche nach deinem Landkreis plus Schuldnerberatung, oder direkt bei Caritas beziehungsweise Diakonie vor Ort.
Wartezeiten von einigen Wochen sind normal. Bei akuter Bedrohung — Kündigung, Stromsperre, Zwangsvollstreckung — sag das bei der Anmeldung, dafür gibt es meist kurzfristige Termine.
Woran du unseriöse Anbieter erkennst
- Vorkasse oder monatliche Gebühren für die Beratung
- Werbung mit Schuldenfreiheit in kurzer Zeit
- Unaufgeforderte Anrufe oder Briefe
- Aufforderung, Zahlungen an Gläubiger einzustellen und stattdessen an den Anbieter zu zahlen
- Keine Angabe, ob die Stelle nach Landesrecht anerkannt ist
Seriöse Anbieter erklären Nachteile, versprechen keine Ergebnisse und nennen ihre Anerkennung von selbst.
Was du zum ersten Termin mitbringst
Alle Schreiben von Gläubigern und Inkasso, aktuelle Kontoauszüge, Einkommensnachweise, Mietvertrag und eine Liste dessen, was du monatlich zahlst. Vollständigkeit ist wichtiger als Ordnung — sortieren macht die Beratung mit dir.
Zuerst
Wenn Pfändung droht oder bereits läuft: Pfändungsschutzkonto einrichten. Das geht bei deiner Bank, ist gebührenfrei im Rahmen des normalen Kontos und schützt den Grundfreibetrag sofort. Danach in Ruhe die Beratung suchen.


