Der Wohnberechtigungsschein, meist WBS abgekürzt, ist die Eintrittskarte zu öffentlich geförderten Wohnungen. Ohne ihn darf dir kein Vermieter eine Sozialwohnung überlassen, egal wie dringend du suchst.
Der häufigste Irrtum: Man müsse dafür sehr arm sein. Tatsächlich liegen die Einkommensgrenzen deutlich höher, als die meisten annehmen, und sie unterscheiden sich stark je nach Bundesland und Kommune.
Wer Anspruch hat
Voraussetzung ist ein Einkommen unterhalb der landesrechtlichen Grenze. Diese richtet sich nach der Haushaltsgröße und wird jährlich angepasst. In teuren Städten liegen die Grenzen zum Teil erheblich über dem, was man erwarten würde — viele Berufstätige mit mittlerem Einkommen sind berechtigt, ohne es zu wissen.
Vom Bruttoeinkommen werden Werbungskosten, Vorsorgeaufwendungen und Freibeträge abgezogen. Es zählt also nicht der Bruttolohn auf der Abrechnung.
Zusätzlich musst du deinen Lebensmittelpunkt in Deutschland haben und darfst nicht bereits angemessen mit Wohnraum versorgt sein.
Die verschiedenen Typen
Es gibt in vielen Ländern zwei Stufen: den einfachen WBS und einen für besondere Dringlichkeit, teils mit höheren Einkommensgrenzen für Haushalte mit Kindern, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung oder Schwangere.
Auf dem Schein steht außerdem, für wie viele Räume und welche Wohnfläche er gilt. Das ist der Rahmen, in dem du suchen darfst.
Wo du beantragst
Zuständig ist das Wohnungsamt beziehungsweise die Wohnraumförderstelle deiner Stadt oder deines Kreises. Viele Kommunen bieten den Antrag inzwischen online an.
Die Gebühr ist gering, in manchen Kommunen entfällt sie ganz. Die Bearbeitung dauert meist wenige Wochen.
Was du brauchst
Ausweis, Einkommensnachweise der letzten zwölf Monate für alle Haushaltsmitglieder, bei Selbstständigen den letzten Steuerbescheid, Meldebescheinigung sowie Nachweise über Unterhalt oder Sozialleistungen.
Bei Schwangerschaft den Mutterpass, bei Behinderung den Schwerbehindertenausweis — beides kann die Einstufung verbessern.
Gültigkeit
Der WBS gilt üblicherweise ein Jahr. Wer in dieser Zeit nichts findet, muss neu beantragen. Das ist Routine und kein Problem, wird aber gern vergessen — und ohne gültigen Schein bekommst du die Wohnung nicht, selbst wenn du sonst passt.
Wie du damit tatsächlich eine Wohnung findest
Der Schein allein verschafft dir keine Wohnung. Melde dich zusätzlich bei den kommunalen Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften deiner Stadt direkt an — die vergeben einen großen Teil ihres Bestands über eigene Listen, nicht über Portale.
Auf Wohnungsportalen lässt sich meist nach WBS-pflichtigen Angeboten filtern. Diese Wohnungen haben deutlich weniger Bewerber, weil die meisten Suchenden keinen Schein haben.


